München, den 3. Dezember 2008 – Nachdem Lateinamerika die Auswirkungen des credit crunch im ersten Halbjahr noch vergleichsweise gut überwunden hat, machen sich die Auswirkungen der Finanzkrise nun auch in Südamerika deutlicher bemerkbar.
Die Befürchtungen der etablierten Industrienationen vor einer Rezession dämpften die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum und führten zu einer noch strikteren Kreditvergabepolitik und einem stockenden Kapitalfluss zu Lasten der aufstrebenden Volkswirtschaften. So schmerzhaft die Auswirkungen der Krise auch sein mögen, so herrscht doch grundsätzlich Einigkeit darüber, dass Lateinamerika im Gegensatz zu vergangenen Krisen, in denen das Finanzsystem kollabierte, diesmal tendenziell „lediglich“ eine Abschwächung erleben wird.
„Die Länder Lateinamerikas haben es im Laufe des letzten Jahrzehnts geschafft, ihre Abhängigkeit von der US-amerikanischen Wirtschaft durch verstärkten internationalen Handel zu verringern. Chile, Mexiko und Brasilien sind nun deutlich besser aufgestellt, um mit einer globalen Krise fertig zu werden“, konstatiert Markus Reissner, Research Analyst bei Pramerica*) in München. „Während der letzten Dekade profitierten die Länder Südamerikas von der starken globalen Nachfrage, insbesondere nach Rohstoffen, und konnten somit ihre Leistungsbilanzen deutlich verbessern. Unterstützt von diesem stabilisierenden Umfeld sind die Staaten ihrer fiskalpolitischen Verantwortung nachgekommen und haben die Basis für starke Finanzmärkte gelegt.“
Die Immobilienmärkte werden über die kommenden Quartale hinweg eine Phase verstärkter Risikoaversion und restriktiver Kreditvergaben erleben. Auf den Flächenmärkten sollte sich das verlangsamende Wirtschaftswachstum in einer sinkenden Nachfrage widerspiegeln, sofern staatliche Konjunkturprogramme nicht einige der negativen Effekte v. a. im Wohnimmobilien- und Einzelhandelssektor auffangen. Die Nachfrage nach Büro- und Industrieflächen wird sich kurzfristig eher verringern. Wie in anderen Regionen auch spüren die Investmentmärkte die globale Liquiditätsverknappung. Am deutlichsten sollten sich diesbezügliche Auswirkungen bei Marktteilnehmern (Projektentwickler, Investoren) bemerkbar machen, die kurzfristig finanziert sind oder in absehbarer Zeit refinanzieren müssen.
Die sich verändernden Rahmenbedingungen könnten dazu führen, dass man sich in der Region wieder auf langfristige Strategien zurückbesinnt. Lateinamerika mit seiner wachsenden Bevölkerung fehlt es noch in großem Ausmaß sowohl an Immobilien, die Grundbedürfnisse decken (Wohnen, Einkaufen) als auch an solchen, die der langfristig steigenden Nachfrage nach unternehmensorientierten Dienstleistungen nachkommen. Kurzfristig mag der Bedarf an solchen Objekten aufgrund der Kapitalmarktturbulenzen sinken, langfristig aber stellt dies nach wie vor ein Wachstumspotenzial dar.
Einzelheiten zu den Entwicklungen an den lateinamerikanischen Immobilienmärkten können dem vollständigen Lateinamerika-Marktbericht des 3. Quartals 2008 entnommen werden.