München, den 20. Februar 2009 – Die Länder Lateinamerikas erwiesen sich im Umfeld der Finanzkrise bisher als äußerst robust. Gesunkene Warenpreise und die weltweit nachlassende ökonomische Aktivität zollen nun jedoch auch hier ihren Tribut. In Folge der weltweit gesunkenen Nachfrage ist das Exportvolumen von Rohstoffen und Waren im 4. Quartal 2008 deutlich zurückgegangen.
Diese Entwicklung sollte die Volkswirtschaften in der Region insbesondere im kommenden Jahr negativ beeinflussen. So ist mit einer Ausweitung des aktuell moderaten Leistungsbilanzdefizits zu rechnen sowie einem nur noch mäßigen Wirtschaftswachstum von etwa einem Prozent, was für 2009 im globalen Kontext allerdings überdurchschnittlich ist. Als Reaktion darauf haben die Regierungen der einzelnen Länder Konjunkturprogramme ins Leben gerufen, die Kapitalspritzen für in Schieflage geratene Unternehmen und umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur vorsehen.
Auch wenn sich die Immobilienmärkte bis zum jetzigen Zeitpunkt in einer strukturell noch guten Verfassung zeigen, ist entsprechend der volkswirt-schaftlichen Entwicklungen auch hier mit einer Abschwächung der Nach-frage zu rechnen. Im Wohnimmobiliensektor zeugt das dynamische Wachstum der Hypothekenvolumina im abgelaufenen Jahr von der Stabilität dieses Sektors, wenngleich auch insbesondere das hochpreisige Segment aufgrund schwieriger werdender Finanzierungsbedingungen zunehmend in Schwierigkeiten gerät. Während der Einzelhandelssektor in den vergangenen Jahren wesentlich von steigenden Einkommen und einer breiter werdenden Mittelschicht profitieren konnte, scheint dieser Boom im Jahr 2008 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht zu haben. Herausforderungen stehen diesem Segment vor allem aufgrund sich verschlechternder Bedingungen auf den Arbeitsmärkten bevor. Die Büromärkte Lateinamerikas gehen mit einer sehr robusten Konstellation in die Phase konjunktureller Abkühlung. Zwar liegen die Expansionspläne zahlreicher Unternehmen zunächst auf Eis, doch könnten die geringen Leerstandraten trotz Nachfragerückgang erhalten bleiben, da ebenso zahlreiche Projektentwicklungen nicht oder verspätet auf den Markt kommen werden.
Die Investmentmärkte sind aufgrund der globalen Nachfragestruktur stärker von der Finanzmarktkrise betroffen. Das Transaktionsvolumen mit Immobilien hat sich im 4. Quartal 2008 merklich abgeschwächt, was auch die Marktbewertung von Immobilien erschwert. Eine anhaltende Verunsicherung dominiert das Marktgeschehen, so liegen die Erwartungen von Käufern und Verkäufern noch deutlich auseinander.
Einzelheiten zu den Entwicklungen an den lateinamerikanischen Immobilienmärkten können dem vollständigen Lateinamerika-Marktbericht des 4. Quartals 2008 entnommen werden.