Immobilienexperten in Lateinamerika weltweit am optimistischsten

Die wirtschaftliche Erholung in Lateinamerika fasst weiter Fuß. Die bereits im 4. Quartal 2009 zu verzeichnende spürbare Belebung trug dazu bei, dass Marktteilnehmer in Lateinamerika optimistischer sind als ihre Kollegen weltweit.

Die schneller als erwartet eintretende Erholung der USA spielt insbesondere beim wirtschaftlichen Erstarken Mexikos eine zentrale Rolle. Brasiliens stabile wirtschaftliche Performance unterstützte das positive Klima am Arbeitsmarkt: Mit einer Millionen neuer Arbeitsplätze wurden so viele neue Stellen geschaffen wie in sonst keinem der G-20 Länder. Die gestiegene Wirtschaftskraft lässt denn auch den Internationalen Währungsfonds IWF für 2010 ein Wachstum von 5,5 % für Brasilien prognostizieren, nach Peru (+ 6,3 %) der zweithöchste Wert in Lateinamerika. Das Ende Februar von einem heftigen Erdbeben erschütterte Chile muss durch die Naturkatastrophe verursachte Kosten von schätzungsweise 30 Mrd. US-Dollar tragen. Die durch das Ereignis entstandenen kurzfristigen Störungen am Arbeitsmarkt sollten mittelfristig 60.000 neu zu schaffende Arbeitsplätze gegenüberstehen. Dazu sollte insbesondere das von Chiles neuem Staatspräsident Sebastian Pinera aufgelegte umfassende Subventionsprogramm beitragen, das v.a. Geringverdiener beim Wiederaufbau unterstützen soll. Zugleich ist mit einer stark steigenden Nachfrage nach erdbebensicheren Bauweisen und Gebäudestandards zu rechnen.

Gestiegenes Vertrauen von Investorenseite und gute Vorgaben seitens der Weltwirtschaft führten an den lateinamerikanischen Aktienmärkten im 1. Quartal 2010 zu einer Rally. „Wir erwarten für dieses Jahr noch einen deutlichen Anstieg ausländischer Direktinvestitionen“, erläutert Markus Reissner, Vice President Research bei Pramerica seine Einschätzung der Märkte. „Internationale Konzerne nutzen die aufgrund des wirtschaftlichen Auftriebs günstigen Rahmenbedingungen in der Region. Die Automobilindustrie in Brasilien und Mexiko expandiert bereits in einem fulminanten Tempo.“ Der IWF rechnet mit Zuflüssen ausländischer Investoren in Höhe von 85 Mrd. US-Dollar. Insbesondere die Tourismusbranche rechnet vor dem Hintergrund der bevorstehenden Olympischen Spiele und den damit einhergehenden wirtschaftlichen Impulsen mit positiven Effekten. Um vollumfänglich davon profitieren zu können, hat die Pariser Accor-Gruppe bereits angekündigt, bis 2012 ca. 670 Mio. US-Dollar im Wesentlichen in Brasilien zu investieren und 75 neue Hotels zu eröffnen. Auch die britische Hotelkette International Hotel Group plant Investitionen in Höhe von 421 Mio. US-Dollar und eine Verdopplung ihres Latei-namerika-Portfolios innerhalb der nächsten 10 Jahre, davon sollen allein 50 neue Hotels in Brasilien entstehen.

Neun Wachstumsmonate in Folge im mexikanischen Industriesektor belegen einen positiven Trend, der auch in den kommenden Monaten anhalten sollte. Im Büroimmobiliensegment wurden viele aufgrund der Wirtschaftskrise zurückgestellte Projekte in 2009 wiederaufgenommen und kürzlich fertiggestellt, so dass in Sao Paulo 227.000 Quadratmeter neue Flächen auf dem Markt sind. Dies führte zu einem Anstieg der Leerstandquote auf 9,2 %. Auch in Santiago hat sich die Leerstandrate bei 1-A-Büroimmobilien auf 3,4 % verdoppelt, ein weiterer Anstieg im Jahresverlauf ist anzunehmen. Die Bautätigkeit des 700 Mio. US-Dollar teuren Costanera-Centers, einer gemischt genutzte Liegenschaft und nach Fertigstellung das höchste Gebäude Südamerikas, wurde wieder aufgenommen. In Buenos Aires ist die Flächennachfrage im 1. Quartal zwar deutlich gestiegen, jedoch sollte es schwer sein, die Leerstandquote von 9 % zu reduzieren, sind doch auch hier viele neue Flächen auf den Markt gekommen.

Lateinamerikas Einzelhandelssektor wird durch die positiven Daten seitens des Arbeitsmarktes beflügelt und gewinnt durch steigende Konsumentenkredite und zunehmende Kaufkraft einer größer werdenden Mittelschicht zusätzlich an Fahrt. Mexiko verzeichnet in etablierten Märkten eine Stabilisierung von Mieten und Leerständen, gleichwohl verharrt das Transaktionsvolumen auf niedrigem Niveau. Den positivsten Impuls lieferte Wal Mart mit seiner Ankündigung, im laufenden Jahr 300 neue Geschäfte eröffnen und damit einhergehend 7.000 feste Arbeitsplätze schaffen zu wollen. Der brasilianische Einzelhändler CBD und die französische Carrefour haben für die kommenden zwei Jahre ebenfalls umfangreiche Investitionsmaßnahmen verkündet. Die beiden brasilianischen Bauunternehmen Gafisa und Rossi haben mit Carrefour Vereinbarungen geschlossen, einfache Einfamilienhäuser in der Nähe von Carrefour-Geschäften zu errichten. Auch viele chilenische Einzelhandelsunternehmen haben Expansionspläne vorgestellt, die sie primär in Peru realisieren wollen.

Einzelheiten zu den Entwicklungen an den europäischen Immobilienmärkten können dem vollständigen Lateinamerika-Marktbericht des 1. Quartals 2010 entnommen werden. Dieser ist abrufbar unter
http://www.pramericarei.de/Research-Marktberichte/Marktberichte_Lateinamerika/Marktbericht_Lateinamerika_Q1_2010.htm.

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